AUF GEBETTET

Sharm el Sheikh 30.11.2008

Welch ein gegensatz: nach den tagen in der menschenleeren und kargen Sinai-wüste jetzt all die urlauber in den protzigen hotelanlagen Sharm el Sheiks. Überall grün mit bunt blühenden sträuchern, unzählige palmen an langen alleen, plätschernde springbrunnen mit kitschigen delphinen oder meerjungfrauen.

Überall aber auch busse, hunderte taxen, baustellen und tausende zu den stränden hastende oder durch die shopping centern bummelnde touristen.

Damit ich Lucy und Jo bloß nicht verpasse, bin ich eine stunde zu früh am flughafen. Die maschine ist pünktlich. Lucy drückt mich ganz fest. Jo hat die hände voll mit trolly und radtasche. Ihr hotel ist vom flughafen einfach zu erreichen. Mit dem rad bin ich noch vor dem transferbus dort. Natürlich will der security-mensch am eingang mich nicht rein lassen. Er schaut schon ungläubig auf mein rad, als ich sehr resolut sage, dass ich im hotel wohnen werde.

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Das hotel ist überbucht, erfahre ich an der rezeption. Kein zimmer frei. Nachdem Lucy und Jo eingecheckt haben, gehe ich einfach mit ihnen in die pool-landschaft auf einen begrüßungsdrink. Während ich von den beiden vollgestopft werde mit pommes und gegrilltem überlegen wir, wie auch ich auf unkomplizierte und günstige art einige erholsamen tage in dem hotel verbringen könnte. Die beiden haben extra eine geräumge juniorsuite mit einem bettsofa für einen dritten gast gebucht. Jo will morgen mit der Neckermann reiseleiterin überlegen, wie ich die suite mit benutzen kann.

Es wird schon dunkel, als ich mit dem neuen hinterrad,nescafé gold, büchern, briefen und anderen mitbringseln, die Marcel und Elvira alle für mich besorgt haben, stadteinwärts in mein schmuddel-appartement radle. Dort verputze noch zu einem ägyptischen bier aus der dose das stück alten gouda von Elfi, über das ich mich am meisten gefreut habe.

Gegen 11 uhr am nächsten morgen bin ich wieder am Sunrise-hotel. Wieder muss ich resolut auftreten gegenüber dem security-personal am eingang. Aber sie lassen mich durch, als ich einfach sage, ich wohne in zimmer 192.

‚Aufbettung‘ nennt die reiseleiterin meine zusätzlichen übernachtungen. Für sie ein ganz normaler vorgang. Ein telefonat mit ihrer zentrale in Deutschland, eine info an den hotelmanager. Ab morgen ist das appartement 192 für drei tage mit drei personen belegt. 70 € pro tag kostet das – alles inclusive.

Die weitläufige, modern gestaltete hotelanlage voller blühender sträucher liegt an einem zum meer hin abfallenden sonnigen hang.    Ein gurgelnder bach mit mehreren rauschenden wasserfällen durchfließt den ganzen park. Eine oase der ruhe. Trotz der ca. 900 gäste. Selbst an den drei pools kann man herrlich entspannen. Einzig in der hoteleigenen strandbucht ist es um die mittagszeit ein wenig eng.

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Den ganzen nachmittag bleibe ich gleich bei den beiden am pool. schlafe dann aber noch eine nacht in meinem appartement. (siehe dazu: ANGEFAHREN)

Bei allen vorbehalten, die ich gegenüber pauschaltourismus und all-in-urlauben habe: Es ist ein verdammt angenehmes leben. Schlaraffenland! In Aqaba und Nuweiba habe ich ja schöne tage am meer genossen. Aber verglichen mit diesem luxus hier, waren das armselige lager voller unzulänglichkeiten.

Allein schon das bad bringt mich ins schwärmen. Ich will gar nicht mehr aufhören zu duschen. Dann die flauschigen frottee-handtücher. Wieder einmal rasen unter den nackten füßen spüren. Frisch gezapftes bier. Sich flezen in dicken clubsesseln. Wie lange hatte ich kein spiegelei mehr? Der duft von frischen croissants. Festtage für alle sinne.

Die buffets morgens, mittags und abends sind überladen. Da bekomme ich schon ein schlechtes gewissen. Vor dem hintergrund der armut ing Ägypten ist diese vielfalt und fülle an essen übertrieben und unangemessen. Dennoch werde ich drei tage tüchtig futtern und faul herum liegen. Das habe ich mir zwar nicht verdient. Aber dank Lucy und Jo kann ich es mir ausnahmsweise  leisten.

Die tage mit den beiden verfliegen. Pool und strand, schwimmen und schnorcheln. An den abenden sitzen wir lange draußen, planen und plaudern mii netten leuten oder flanieren über die promenade in Ne’ama bay. Dabei lernen die beiden auch Markus kennen, der inzwischen auch in Sharm el Sheikh angekommen ist.

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Am letzten tag dann der ausflug nach Kairo und Gizeh zu den pyramiden. Der trip ist wirklich lohnenswert: zweistündige führung durchs ägyptische nationalmuseum, bootsfahrt auf dem Nil zu einem guten lunchbuffet, dann die pyramiden und zum schluss noch die sphinx. Einmalige schätze, gewaltige bauten, unvergessliche eindrücke. Wir bereuen die lange busfahrt keinen moment.

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Der abschied von Lucy und Jo am nächsten morgen fällt mir verdammt schwer. Es waren so gelöste und erholsame tage. Die beiden haben sich so lieb um mich gekümmert. Vor dem hotel umarmen wir uns lange ohne große worte. Dann muss ich schnell los radeln, ohne mich noch mal um zuschauen.

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So sehr ich mich wieder aufs radfahren freue – ich brauche die körperliche bewegung, die damit verbundene anregung im kopf. Und das gefühl der ungebundenheit. Aber jetzt fehlt mir die motivation, mich wieder durch den straßenstaub, den verkehrslärm und den schmutz der dörfer und städte zu kämpfen. Allmählich habe ich genug armut und not gesehen. Ich mag nicht wieder bedrängt und angebettelt werden. Mir reicht’s in dreckigen unterkünften zu schlafen und nichts zu bekommen als fades essen und lauwarme getränke. Der urlaub in Sharm el Sheikh hat mich verwöhnt.

Doch er hat mir auch gut getan. Mein körper ist wieder mal richtig gepflegt. Das gute essen und der schlaf. Mal wieder deutsch reden. Die geselligkeit und die abwechslung. Mal was anderes sehen und erleben als straßen und staub. Meine vorräte sind wieder aufgefrischt. Meine klamotten gewaschen. Das rad läuft wieder einwandfrei. Sharm el Sheikh werde ich in guter erinnerung behalten. MIch zu besuchen war eine tolle idee von Jo und Lucy und ein herrliches geschenk, für das ich mich ganz, ganz herzlich bedanke.