GPS & Karte

GPS & Karte

In der Bedienung elektronischer Geräte bin ich keine Leuchte. Viel zu hastig, planlos und unkonzentriert drücke ich mal hier, mal da drauf. Kann auch nicht abwarten, bis sich irgendetwas tut in den mir meist zu langsamen  Geräten.  Ungewollt kopiere und verschiebe ich,  speichere und lösche unbeabsichtigt. Dennoch will ich erklären, wie ich auf dieser Reise mein GPS benutzt habe.

Aus dem Internet habe ich die Abschnitte des EuroVelo 10 als Strecke auf mein Garmin geladen, die  ich benötigte. Den Streckenteil, den ich gerade fahre, lasse ich das Gerät immer anzeigen – bei mir als grüne Linie. Dann fahre ich immer der Linie nach. Die Routing-Funktion des Navis brauche ich nur, wenn ich mit dem Verlauf des EuroVelo nicht einverstanden bin – z.B. zu viele Schlenker, die ich nicht machen möchte oder zu schlechter Straßenzustand. Dann lasse ich das Garmin den kürzesten Radfahrweg suchen und sehe sofort, wie weit er sich mit dem R 10 deckt und wo er abweicht. Nun kann ich an Stellen, wo die beiden Linien nicht mehr parallel laufen entscheiden: R 10 oder Navi-Route. Eine wirklich einfache Orientierung, die fast immer gut geklappt hat.

Manchmal errechnet das Navi erstaunliche, oft viel zu lange Strecken. Das überprüfe ich mit der Funktion “Luftlinie berechnen“,  wenn mir die errechneten Kilometer nicht zu stimmen scheinen. Wenn die Radstrecke mehr als die Hälfte länger ist als die Luftlinie, schaue ich genauer nach, welche Bedingungen die Radstrecke so lang haben werden lassen. Meist sind es unbefestigte Straßen, die ich umfahren will oder Autostraßen, die ich nicht fahren darf.  Manchmal finde ich keine Erklärung. Beispiel vom 30. 08. in der Holsteinischen Schweiz:  Den R 10 habe ich am Morgen an der Fehmarnsund-Brücke nochmals kurz gestreift, bin jetzt in Malente, will nach Plön zur Jugendherberge. Es regnet in Strömen. Auf keinen Fall will ich jetzt noch unnötige Umwege machen. Laut Straßenschild sind es  noch 11 km von Malente bis Plön. Da die JH etwas außerhalb Richtung Ascheberg liegt, dürfen es auch 14 km werden. Das Navi berechnet 38 km! Ich stutze und suche den Fehler: Alles korrekt eingegeben: kürzeste Strecke fürs Fahrrad. Autobahn, gibt’s hier keine. Die Straße ist eine stink normale Kreisstraße und zuletzt die B 76, beide mit durchgehendem Radweg. Warum soll ich hier nicht fahren? Ich lasse die Autostrecke berechnen: 38 km!  Unerklärlich für mich. Ich gebe ein: „Navigation beenden“ und fahre nach Straßenschildern.  

Ähnliches hab ich in Schweden erlebt, als  an der E 22 – einer vierspurigen Straße, die für Radfahrer gesperrt ist – das Navi den daneben laufenden Radweg nicht erkennt und mich kilometerweit durch die Pampa schicken will. Oder in Lettland am Kap Kolka will ich auf der westlichen Seite nach Ventspils radeln. Da führt nur eine Straße, die P 111, hin. Ca. 80 km lang.  Sie ist komplett asphaltiert. Ich brauche hier das Navi überhaupt nicht. Die grüne Linie des R 10 reicht. Aber ich will die Entfernung wissen und lasse deshalb das Navi die Strecke berechnen. Über 140 km statt ca. 80! Dreimal lass ich das Gerät rechnen. Immer das gleiche unmögliche Ergebnis. Bis ich merke, für den City-Navigator ist die P111 hier oben unbefestigt. Deshalb schickt er mich wieder über die östliche Straße zurück. Erst als ich „unbefestigte Straßen nicht vermeiden“ einstelle, führt er mich über die gewünschte Straße in 83 km nach Ventspils.

Diese Einstellungsänderung vergesse ich  zurückzunehmen. Prompt gerate ich tags darauf auf die Matschstrecke nach Pavilosta (siehe Tagebuch „Tief im Westen“)

Übrigens mit einer kostenlos herunter zu ladenden „Open Street Map“-Karte  – behaupten deren Nutzer – würden solche lästigen fehlerhaften Berechnungen nicht vorkommen.  Mit diesen Karten würde das Navi auch in Russland funktionieren, sagte mir Günter, der damit problemlos vom Bodensee nach St. Petersburg radelte. Nur schaffe ich es nicht, die Openstreetmap aufs Garmin zu bekommen. Ich  bin halt am PC keine Leuchte.

Glücksstadt, 31. 08. 2014