ROLL BAHN

                                                       

 

 

 

 

Über die Meteora-Klöster zu schreiben, spar ich mir. Da sagen Fotos mehr.

 

 

Von Kalambaka geht’s runter nach Trikala ins tal des Pinios. Darin bleibe ich weitere 65 flache km bis Larissa. Leider etwas wind von vorn. Sonntags morgens ist auf der nationalstraße 6 fast nichts los. Es rollt, so wie ich es gern hab. Ausschließlich auf dem großen blatt. Da die verschleißschicht auf vielen km erneuert wurde, ist die N 6 glatt wie ein rollbahn.

Weder in Trikala noch in Larissa sind radläden geöffnet. War ja auch nicht zu erwarten am Sonntag. Jetzt muss ich mich entscheiden: Westlich am Olymp vorbei, über die N 3 durch die berge. Mindestens 1100 m hoch führt die straße. Oder östlich am Olymp vorbei über die N 1 an der küste entlang. Diese straße führt durch ein canyonartiges tal. Sie ist viel befahren und sehr eng. Außerdem ist sie mindestens auf  den ersten 10 km wie eine autobahn ausgebaut und auch so beschildert. Als ich das sehe, traue ich mich nicht weiter zu fahren. Aber alle, die ich ungläubig frage, ob ich da mit dem rad weiter fahren darf, versichern mir, es gäbe keine andere straße durch dieses nadelöhr. Als selbst zwei polizisten mir bestätigen, ich könne die straße nehmen, fahr ich los.

Dann aber auch richtig. Wieder großes blatt. So weit die autobahn ausgebaut ist, ist auch die standspur 2 m breit. Aber da, wo nur noch platz für eine zweispurige straße bleibt, sind für mich zuerst noch sechzig cm da. Dann noch vierzig. Schließlich nur noch der weiße streifen. Da muss ich trotz manchen windstoßes, trotz lkw-sog und hupenden bussen auf dem strich fahren. Spurtreu fahren ist mit dem gepäck gar nicht so leicht. Aber da ich immerhin noch 24 km/h schaffe, läuft der velotraum fein gerade aus. Es fängt an, spass zu machen. Race-feeling kommt bei mir auf.

An der mautstation brauch ich nicht mal zu halten. Jetzt wird der belag viel rauher. Die straße steigt an. Zum glück haben sie hier die 25 cm tiefer als die fahrbahn liegende, schräge, 40 cm breite wasserrinne nachträglich zu betoniert, so dass ich sie nutzen kann, wenn’s wieder eng wird.

Am eigentlichen pass gibts links und rechts parkpätze, auf denen zig autotouristen regionalprodukte, obst oder souvenirs kaufen. Dafür musste ne menge felsmaterial weg gesprengt werden.

Anhalten möchte ich nur, um mal einen blick in den canyon des Pinios zu werfen. Aber der fluss fließt aus meiner sicht links der straße. Lebensmüde bin ich aber nicht. Ich rolle schön rechts weiter. Inzwischen abwärts. Am ende der schlucht dreht die straße über den fluss richtung küste. Jetzt hab ich auch wieder meine zwei meter platz. Erleichterung! Aber ich werde auch langsamer. Die anspannung ist weg. Es rollt immer noch abwärts. Jetzt ist die N 1 wieder als autobahn ausgebaut. Ich bleibe drauf und sie bleibt weit oberhalb der küste.

Schon bald sehe ich erstmals wieder das meer.  Von der Adria an die Ägäis! 1000 km etwa. 13 Tage habe ich dafür gebraucht.

An der nächsten mautstation ist dann schluss mit der rad-roll-bahn. Ich muss runter. Durch die jetzt verschlafenen küstenorte. Es ist 15.00 uhr und noch heiß. Aber der große andrang der badesaison ist vorbei. Überall an den stränden platz ohne ende.

In Katerini kauf ich noch ein. Dann such ich mir einen zeltplatz direkt am meer. Das hab ich mir nach 120 km doch verdient. Auch wenn ich sie locker runter
spulen konnte.

Morgen richtung Thessaloniki kann ich reginalstraßen nehmen. Dann sind’s über 90 km. Oder ich nehme zumindest teilweise wieder die autobahn. Die strecke ist bestimmt 20 km kürzer und bleibt im flachen fluss-delta. Fragt sich nur, ob die polizei mich wieder lässt.