WILL KOMMEN

Bandar Abbas, 16. 02. 2009

 

In der hafenstadt Bander Abbas radeln wir durch einen bunten orientalischen wirrwarr von auffallend zurück haltenden straßen-händlern,

stinkig rußenden lkw, ollen taxen, unzähligen mopedfahrern, handwagen ziehenden trägern und hunderten von menschen, die zu fuß unterwegs sind.

„Hello mister, how are you? Where do you come from? Welcome in Iran!“ Ständig hören wir diese zurufe. Fast alle winken uns zu. Beinahe jeder begrüßt uns. Setzen wir einen fuß an den boden, haben wir gleich drei vier leute um uns. Jeder will uns helfen. Alle wollen mit uns reden. Viele wollen wissen, wer wir sind. Nach name, nationalität und beruf fragen sie. Oft sind sie weiter interessiert an unserer reise, unseren familien, ja sogar nach unseren finanzen fragen sie. Immer wieder fotografieren sie uns mit ihren handys. Oder sie geben uns einfach die hand und heißen uns willkommen. Sie sind stolz, dass wir ihr land besuchen, fühlen wir.

 Geld tauschen ist nicht ganz einfach im Iran. Erst bei der 5. bank gelingt es. Dauert bestimmt 20 minuten. Zuerst muss ich den pass zeigen. Er wird kopiert. Ein formular mit meinen persönlichen daten fülle ich aus, zwei formulare der bankangestellte. Beide werden dreifach mit blaupapier durchgepaust. Zwei unterschriften leiste ich, er eine. Sein vorgesetzter muss gegen zeichnen. Nun wird der tresor geöffnet. Mit einem lesegerät der 100 €-schein geprüft. Schließlich kommt’s zur auszahlung: 1.234.100 Rial. Prompt hält der reißverschluss meines portemonnes nicht mehr.

Eine iranische sim-karte zu kaufen ist unser zweites problem. Auf der fähre haben wir schon gehört, das Irancell der günstigste netzbetreiber ist. Seine karten kann man auch überall kaufen. Aber ehe wir den laden gefunden haben, in dem man diese karten aktivieren kann, ist es fast 13.00 uhr. Max geht zuerst rein. Ich bleib bei den rädern. Im letzten moment vor der mittagspause – die dauert hier bis 17.00 uhr – schaffe ich es noch in den telefonshop. Wieder kopiert der junge mann meinen pass. Gibt dann meine daten in den computer ein. Das dauert. Ich muss dringend zur toilette. Hocktoilette mit wasserschlauch. Ohne klopapier eine schmierige angelegenheit. Aber üblich in moslemischen ländern. Mit der linken, der unreinen hand waschen sie sich sauber. Ich diesmal auch. Als ich zurück komme in den laden, liegt mein handy und meine telefon und pinnummern bereit. „Okay!“ sagt der angestellte schon auf dem weg in die pause. Zahlen brauche ich nichts, packe nur noch meine sachen ein. Meinen pass unter dem kopierer vergessen wir allerdings beide. Tage später werde ich das aber erst bemerken.

Schnell wollen Max und ich noch was essen bevor wir weiter radeln. Aber die vielen fragenden und staunenden Iraner ums uns lassen uns nicht vor zwei uhr weg. Sie sind alle so freundlich und interessiert. Wir werden mehrfach fotografiert. Max muss sogar ein autogramm geben.

Raus aus der stadt, wieder zum hafen, dann nordwestwärts richtung Lar. Die ersten 50 km sind nur container-häfen und petro-chemische industrieanlagen. Auf der vierspurigen straße nutzen wir den seitensdtreifen. Viele lkw rasen an uns vorbei. Echte hupkonzerte veranstalten sie, wenn sie uns entdecken. Manchmal so laut und andauernd, dass uns die ohren schmerzen. Sie grüßen selbst von der gegenfahrbahn. Immer wieder stecken beifahrer ihren kopf aus dem fenster und rufen uns ihr willkommen zu. Immer wieder halten autofahrer an, fragen nach wer wir sind, wohin und woher wir unterwegs sind, wie’s uns geht, ob wir hilfe brauchen. Familien halten an und wollen mit uns fotografiert werden. Sie schenken uns orangen, wasser, brot. Eine frau biete uns gekochte eier an. Vier männer in einem auto fragen sogar, ob wir geld bräuchten. Die iranische gastfreundlichkeit ist wirklich umwerfend. (siehe hierzu SYSTEM  TA’AROUF)

Die landschaft ist wüstenartig, leicht hügelig und karg fast wie im Oman. Kuppelförmig überdachte wasserreservoirs stehen immer wieder wie riesenpilze oder minimoscheen in der ebene. Ganz selten treffen wir auf sehr einfache uns verlassen anmutende siedlungen. Die frauen, die wir sehen sind oft maskiert wie die Beduinen-frauen im Oman. Später hören wir, dass es diese art maskierung nur noch hier im süden des Iran gibt.

Wir finden in dieser offenen einöde keinen geeigneten zeltplatz. Radeln deshalb im dunkeln bis zur nächsten etwas größeren ortschaft, die wir an dem beleuchteten minarett einen halben km östlich unserer straße entdecken. Gleich am ortseingang liegt die moschee, die aber gerade erweitert wird. Der erste dorfbewohner, den wir nach einem schlafplatz fragen, empfiehlt uns im rohbau der moschee zu schlafen. Zwischen bauhölzern und schalbrettern auf zwei großen sperrholztafeln bereiten wir unser nachtlager. Als der muezzin direkt ueber uns zum nachtgebet anstimmt, merken wir, wie nahe wir wieder einmal Allah sind.